Die Arbeit hat begonnen.
Angefangen hat es mit einem Montag, an dem ich nur "Anhaengsel" war und beobachten konnte.
Der naechste Tag sollte dann schon zur haelfte mir gehoeren.
Die haelfte wurde kurzfristig verdoppelt und ich hatte zum ersten mal in meinem Leben eine Klasse (und einen schweissgebadeten Ruecken). Zwar eine noch irregulaere Sommerkursklasse, aber immerhin konnte/kann ich mal fuehlen, wie das so ist, anderen etwas beizubringen.(Der Sommerkurs ist eine Moeglichkeit fuer Quereinsteiger und schlechtere Schueler, sich vor normalem Schulbeginn den letzten Schliff zu holen.)
Diese erste Woche meines Lehrerdaseins war vor allem durch eines gepraegt: Planlosigkeit, denn ich musste / muss alle Aktivitaeten erfinden, da erst im offiziellen Schuljahr Buecher benuetzt werden. Also setze ich mich jeden Tag hin um den naechsten Tag vorzubereiten und bin leider danach meist planloser als zuvor.
Aber egal, meine laute Stimme die noch vor kurzem in der Schule als Stoerung empfunden wurde, reisst mich in dieser Schule ganz gut raus.
Ich bin also Englischlehrer und zum Glueck hat meine Diletanz nicht nur schlechte Seiten; denn es laeuft viel auf konstruktive Spontanitaet und Lockerheit hinaus. (natuerlich auch nicht immer)
Bis jetzt hatte ich jeden Tag von 8 bis 11 mit einer Pause dazwischen Unterricht, danach Essen und anschliessend taegliche Erledigungen. Seit gestern und heute fange ich auch langsam zu verstehen an, wie das kommende Jahr ungefaehr aussehen wird:
Ich werde 4 Klassen (4. und 5. -- das bedeutet so viel wie 8- und 9- Jaehrige) zu je ca 30 Schuelern im Fach Englisch-Reading (es gibt hier 3 verschiedene Englischfaecher) unterrichten. Wie viel Zeit pro Tag weiss ich noch nicht, auf jeden Fall bin ich dann die restliche Zeit als irgendeine Assistenz taetig(keine Ahnung was, wohl aber nicht panamenische Literatur um die Jahrhundertwende). An Samstagen gibt es hier dann eine Sportgruppe wo ich auch helfen soll. Mal sehen. Das Schuljahr geht naemlich naechste Woche Donnerstag los.
Zum Panamenischen Schulsystem, dass mir heute ein wenig naeher gebracht wurde:
Es ist hier alles aufs Genaueste durchgeplant. Man hat ein Buch, dazu eine Lehrerausgabe mit anweisungen und daran soll man sich halten. Dann ist auch noch vorgeschrieben, wieviel in einer Woche gemacht werden muss plus einem abschliessenden Test.
Die Noten gehen von 1.0(schlechteste) ueber 1.1, 1.2, 1.3.... bis 4.7, 4.8, 4.9, 5.0(beste). Das heisst, es zaehlt am Ende nur der Durschnitt und es wird nie gerundet.
Ein bisschen merkwuerdig ist das viele Vertrauen, das hier in ein Computer-Lern-Programm gesetzt wird, was dazu fuehrt, dass immer ein paar schueler nichts zu tun haben, da etwas nicht funktioniert.
Zu vergangenen Freizeitaktivitaeten:
Vorletzten Samstag habe ich mit den Schwestern gemeinsam eine andere Geimeinschaft in El Valle besucht.
El Valle ist ein uralter riesiger Vulkankrater mit eigenem Mirkoklima und einer artenreichen Flora und Fauna.
Das Erstaunliche ist, dass sich die Natur auf dem Weg dorthin(eine 1 1/2 stuendige Fahrt)staendig aendert; Zuerst gruen und feucht mit Huegeln, dann gruen und noch feuchter mit Bergen, dann gruen und flach mit Sicht aufs Meer, dann braun, trocken und flach, dann braun, trocken und huegelig
und zuletzt eroeffnet sich eine Urwaldlandschaft umgeben von dichtbewachsenen wolkenumhangenen Bergen. Man kann ganz gut erahnen, wie vielseitig Panama ist.
Auch mein erstes Surfbrett hab ich mir letzte Woche zugelegt um es in ca 1 Monat ab und zu mal zu wassern (die Sonntage zum Beispiel hab ich frei und der naechste Spot ist ca 1 Stunde mit dem Bus entfernt).
Meine Eindruecke von Panama als Land, seit einem Monat:
Lustigerwese sehe ich immerwieder grosse Aehnlichkeiten zu Thailand und das haengt nicht nur damit zusammen, dass auch hier alle mit japanischen Autos fahren. Es liegt zum einen am Klima (Beide Laender befinden sich um den 9ten noerdlichen Breitengrad) und zum anderen an der Wirtschaft, verbunden mit der Kultur.
Sowohl Panama also auch Thailand sind im Wachstum.
In Thailand ist der Tourismus das grosse wirtschaftliche Zugpferd und der kulturelle Fluch, in Panama ist es der Kanal mit aus dessen amerikanischer Besetzung (die Kanalzone wurde erst vor 7 Jahren zurueckgegeben!) folgendem Kulturschwund.
Das zeigt sich in dem Gebiet, in dem ich wohne, das einst ein schoener Fleck Natur war, jetzt aber ein Zerfurchter roter Boden voll mit Billigbungalows ist, sehr stark. Begriffe wie Baugenehmigung oder Gewissen fuer die Umwelt sind bis hier her noch nicht durchgedrungen. Das hat auch nichts mehr mit oesterreichischer "Haeuselbauerei" oder mit hollaendischer Staedteplanung zu tun, sondern ist einfach nur "graben bis das Geld ausgeht".
Das Pendant dazu in Thailand ist die Hotel und Wohnraum-Bauwut die man dort fast ueberall beobachten kann.
Natuerlich ist sind beide Laender immer noch extrem verschieden, aber eben auch ein bisschen aehnlich.
Trotzalledem geniesse ich die 30º und die noch nicht ganz zerstoerte Natur und wuensche einen schoenen gruss an die Heimat!
Niko
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