Die ganze Wahrheit

Freitag, 14. März 2008

Bevor ich mich morgen in den wahren Dschungel aufmach, wollte ich noch ueber die letzten knappen 3 Wochen berichten.

Die Sommerkurse sind schon lange vorbei und das Schuljahr ist angebrochen.
In der Zeit zwischen den Sommerkursen und dem regulaeren Schulbeginn hat eine Lehrer-Fortbildung und -Einstimmung stattgefunden und ich kann mich nur wiederholen wenn ich sage, dass mir dieser Wandel vom Schueler zum Lehrer, innerhalb eines Jahres, immernoch ein breites Grinsen entlockt. Dieses Grinsen ist aber nur der aeussere Ausruck des surrealen Empfindens tief im Inneren. Und die Tatsache, dass ich in ca. 80% der Vortraege und Workshops wenig bis gar nichts verstanden habe und dadurch diese Zeit meiner Fantasie ueberlassen war, hat wohl eine nicht zu geringe Rolle gespielt, alle diese Gefuehle zu verstaerken.


Jetzt aber weg von Moechtegern-Psychologie und hin zu den blanken Fakten!
In diesen 2 dazwischengeschobenen Wochen wurden Vortraege ueber verschiedenste Themen gehalten. Oft verbunden mit "Dynamiken" (so wird das zumindest hier genannt) zur Foerderung des Zusammenhalts und des Kennenlernens zwischen den Lehrern, Schwestern und sonstigen Angestellen, aber auch ein paar rein informativer Natur.
Am letzten Tag bin ich dann mit den anderen Englisch-Lehrern in die Stadt gefahren um einen Vortrag ueber das neue Lehrbuch zu hoeren.
Begonnen, hat es, wie sich das gehoert, mit einem Essen und danach stellte eine Vertreterin (selbst eine halb amerikanisch, ecuadorianische Lehrerin) der Buch-Firma das neue Produkt vor.
Das eigenartige war nur, dass es weniger um das Buch, als um generelle Lehrmethoden und Paedagogik, ging. Das wiederum hat ein wenig meinen Verdacht geschuert, dass die universiataere Lehr-Ausbildung hier wenig auf das "Lehren" ausgerichtet ist, sondern sich eher auf Sprache und Grammatik bezieht und privaten Firmen den "Lehr-Teil" ueberlaesst.
Fuer mich war es zumindest recht interessant, da ich ja weder universitaere Sprach- noch Padagogik - Ausbildung erfahren habe und ueber jeden Imput froh bin.


Die jetzige Woche ist auf jeden fall die erste volle Schulwoche und ich hatte auch schon meine ersten Stunden.
7, 8 und 9 jaehrige sind ganz schoen aktiv, was ja klar war, doch es funktioniert bis jetzt recht gut.
Ich habe in allen ersten Stunden meine Regeln verkuendet, und jeweils bei der ersten - "No Spanish" - ging ein tiefes Raunen durch die Klassen - Auf jeden Fall zu meinem Vergnuegen.
Einen ziemlichen Schreck hab ich bekommen, als ich darum bat, die Buecher aufzuschlagen und als Antwort "Wir haben keine Buecher" kam. Ich musste dann irgendwie improvisieren und spaeter habe ich erfahren, dass es ein Problem mit der Lieferung gibt. Ich war nur der letzte der das erfahren hat.
Auf jeden Fall bin ich hier eine grosse Pausenattraktion und wundere mich schon nicht mehr, wenn kleine SchuelerInnen, sobald ich sie anschau, kreischend, lachend und glucksend die Bildflaeche verlassen. Nur ein paar wenige wagemutige bringen es zu einem schuchternen "Good Morning", wobei das den gerade beschriebenen Abgang nicht ausschliesst.

2 Exkurse zum Leben hier:

Autofahren: Ein Abenteuer, ein Wagnis und ein Reaktions- beispielsweise Kombinations- Training zugleich! - Und; ES LEUCHTET!!
Warum?
Ich hab die Schwestern jetzt schon 2 mal zur taeglichen Messe gebracht und es war toll (vgl. Tollwut). Man hat das Gefuehl, dass die Panameños, sobald sie sich ins Auto setzen, das Gehirn auf Standby schalten; blinken ist hier verpoent, wer ausweicht ist ein Weichei und darwinistische Vorfahrtsregeln bestimmen die Kreuzungen (zum glueck bin ich jeweils mit einem Kleinbus gefahren).
Versuesst wird es noch durch vermeintliche Geisterfahrer, da Strassen mit 2 Fahrbahnen oft, auf Grund von Bauarbeiten, auf eine zusammengelegt werden - man merkt es aber erst spaeter.

Essen: Das Highlight jeden Tages und das, obwohl es fast immer das gleiche ist.
Wir essen hier zwei bis drei mal am Tag warm und es ist der reinste Genuss (ausser vielleicht an den Tagen, an denen es Burger oder Hot Dog gibt).
Ich kann kaum beschreiben wie gut es ist. Jeder missmutige oder traurige Gedanke wird einfach so augeloescht und runtergeschluckt.
Die Rohstoffe sind einfach: Reis, bohnen, Yuka Salat, Platanos (grosse Kochbananen) und ab und zu ein Stueckchen Fleisch.
Aber wie gut man das zubereiten kann ist mir hier so richtig klar geworden.
Vor allem haben es mir die "Platanos Maduros" angetan. Dieser wahnsinnige Geschmack von zarter Banane ist unuebertrefflich und ich zergehe immer schon, sobald ich sie aus der Kueche riechen kann!
Lustigerweise mischt sich diese hervorragende Kost mit meinem Essig&Oel- Fetisch und aus meinem Gesicht strahlt es nur so nach jedem Essen!
Uebrigens sind zwei volle Teller fuermich hier minimum und ich bin noch immer kein Wuz!

So, also nach Ostern wirds wahrscheinlich den naechsten Bericht geben, da ich mich morgen frueh in das herz Dariens und der Platanos begebe (fuer alle google-earth Nutzer; Grenzdschungel zu Kolumbien, die Orte Real und Boca de Cupe)
Da wird es sicher einiges zu berichten geben.

Alles Liebe
Niko

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