Die ganze Wahrheit

Sonntag, 7. September 2008

Urlaub

Urlaub



Was auch immer das Wort “Urlaub” heisst; Ich hab es mir in nur 2 Wochen neu definiert.

Wie aus dem letzten Bericht hervorgegangen ist, waren Juni und Juli nicht meine ueberdrueber Monate. Was gibt es da also besseres als 2 Wochen frei zu haben um seine Erinnerungen zu besaenftigen?

Der Plan war, so wenig wie moeglich Plan, soviel wie moeglich surfen und sich dabei verlieren. Herausgekommen ist genau das, nur noch viel mehr so.

Bevor das aber passieren konnte ist es schon fast gescheitert gewesen. Die geniale Idee, sich hochverschwitzt vom Ventilator trocknen zu lassen hatte mir eine ordentliche Verkuehlung eingebracht. Husten, Schnupfen, leichte Temperatur, lieber etwas warten und viele Limonen. Dann aber, 2 Tage spaeter, zwar noch nicht gesund, doch viel zu motiviert um liegenzubleiben, ging es los.

Die Busfahrt war lang und bewoelkt, so auch mein Gemuet. Wird es mein Koerper durchhalten oder trete ich meine 2 einzigen Urlaubswochen unterm Jahr mit Fuessen? Je naeher ich der Kueste kam, desto egaler war es. Im letzten Bus traf ich einen Surfer aus Florida, mit dem ich dann auch den Rest der Zeit herumgezogen bin.

Nach der Ankunft am mir von vielen Panameniern verheissenen Strand gleich mal in die Brandung.

28º das Wasser, 38º ich, grosse, kraftvolle Wellen, starke Stroemungen, nur 3 Surfer, kein Wind und mein Kopf = leer.

Als wir im Fastdunkeln rauskamen, wurde mir der Ernst der Lage Klar; Die zwei vorhergegangen Monate waren Geschichte, hatten keine Bedeutung mehr, entlockten mir ein laecheln.

Playa Venao ist Paradies. Nein, kein weisser Sand, kein Palmenwald, und um diese Jahreszeit sogar sehr selten blauer Himmel. Aber, viele gute Wellen, warmes Wasser, nur ein Hotel, das am anderen Ende der Bucht liegt, nie niemand und auch selten zu viele Leute, ein „Gasthaus“ mit gutem und billigem Essen sowie der Moeglichkeit, sein Zelt davor zu Parken und: Unbesorgtheit; Uhren, Kamera, Brille, Geld usw konnte man, waehrend man surfte auf dem Tisch liegen lassen.

In den paar Tagen haben wir einige „locals“ und leute aus der Umgebung kennen gelernt, mit denen ich, dank meines jetzt schon recht sicheren Spanisch, viel gesprochen habe. Die meisten waren ein wenig traurig und sogar wehmuetig, denn wie ich erfuhr, war die Zukunft der ganzen Bucht und des Strandes schon vertraglich ruiniert. Im Oktober starten die Bauarbeiten. Was kommt sind 2 grosse Hotels, ein Ferienwohnungsdorf und ein Casino.

Nach 3 Tagen Venao wurde das Lager abgebrochen und es ging (mit einem hollaendischen Paerchen) weiter nach Cambutal, ein vom Grayson (aus Florida), der dort schon war, hochgepriesener Fleck Erde mit zahlreichen Wellen rundherum. Man wurde aber enttaeuscht; Zu viel Wind, kein geordneter Swell und ein Hotel (wegen der Hollaender), das von einer furchtbaren Gringo-Familie (vielleicht sind sie eh ganz nett) fuer fette reiche Gringo-Fischer geileitet wurde. Das guenstigste Zimmer kostete 70$. Also keine Option.

So schlecht das auch alles klang, so viel besser war die vorher etwas getruebte Stimmung. Wir konnten naemlich direkt daneben bei einer Familie, die eine kleine Kueche betrieben, Unterschlupf finden und bekamen sogar um 10 Uhr Abends ein Stueck picksuessen Kuchen.

Unterschlupf klingt romantisch. Hat auch so ausgeschaut – alles reiner Unfug und nach einer Nacht war uns klar, dass wir in der HoellenHuette – Hellshack zu Englisch (viel deutsch konnt ich ja nicht reden) gelandet waren (die Hollaender nicht, die haben in einem Zelt geschlafen).

Das Inventar von klein nach gross:

x Sandfliege (Chitras)

∞/2 x Moskito

43 x unbekannter Kaefer

6 x Kakalake (davon 4 gross)

5 x Spinne

2 x humande Arachnophopie

1 x leuchtend roter Krebs

1 x Hahn (optional mit Partnerin)

1 x Hund

1 x Hund´s Gestank

1 x groesste Motorsaege Mittelamerikas


Das Erwachen begann um 4 in der Frueh und muendete im Aufstehen um etwa 7. Es folgte eine Fruehstueck und eine anschliessende Trauer-Session am Playa Guanico, eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt. Die Stimmung war auf einmal wieder getruebt, wohl durch das fehlen guter Wellen. Die Hollaender setzten uns dann auch im naechsten Ort ab, denn sie hatten die Macht – das Auto – und wollten mehr als das. Wir nicht und sind wieder zurueck nach Cambutal.

Was danach geschah hat 6 Tage gedauert, fuehlte sich an wie 1000 (manchmal auch 2) und hinterliess traumartige Erinnerungen.

Nicht dass die Wellen jeden Tag perfekt waren oder dass wir in Rikscha mit Kokusnuss herumkutschiert wurden. Eigentlich hab ich sogar nie gut geschlafen, mir meine Fuesse verbrannt und zu viel gegessen.

Es war einfach gut und zwar hier drinnen (ich zeige gerade mit meinem Zeigefinger auf meinen Brustkorb).

Viel gibt es da nicht einmal zu berichten, denn im Endeffekt handelte es sich darum, das zu machen, was man am liebsten macht und auch mit den Gedanken dabei zu sein.

Die Gezeiten bestimmen den Tagesablauf, die Zeit, in der nicht gesurft wurde, und das war natuerlich der grossteil des Tages, benutzten wir zum baden, fruechte essen, sich sozialisieren und ganz langsam durch unglaublich gruene schoene Dschungel-Wiesenlandschaft radzufahren.

An einem Abend sind wir zu einem Fest in den Ort gepilgert (1 Stunde zu fuss), bei dem ich gleich in den ersten 5 Minuten auf 5 Biere, fritiertes Brot und viel viel Yuka eingeladen wurde. Zum Glueck musste ich dann tanzen (ein Freund hat seine 2 Schwestern gerufen und ihenen gesagt, sie sollen mirs beibringen), sodass sich die folgenden Runden recht schnell aus meinem Kopf verfluechtigen konnten.

Beim Heimweg war mein Bauch so voll, dass meine Knie fast einknickten.

Noch ein kleines Hellshack´sches Intermezzo:

Im Gegensatz zum Grayson bin ich nach der ersten Nacht in mein Zelt ausgezogen. Da dass fuer ihn eine Verdopplung der Chance bedeutete, von einem Amoklaufenden Kaefer oder Hahn zersaegt zu werden, bestand akuter Handlungsbedarf.

Das Bugshirt war geboren; ein Militaerfarbenes Kapuzenhemd mit verschliessbaren Aermeln und Moskito netz vor dem Gesicht.

Zwar viel zu heiss zum schlafen, doch war seine Angst staerker als die Vernunft.

Nach 6 Tagen war alles vorbei. Grayson musste zurueck, seine Flucht zu beenden und um Rechnungen zu bezahlen und ich bin noch einemal dorthin gefahren, wo alles anfing.

Als ich nach 6 Stunden Busfahrt (mit dem Auto waren es 1 ½) ankam, wurde wieder sofort wie wild sozialisiert und so war ich gleich inmitten einer panamaenischen Surfergruppe.

Noch mehr als davor bestanddas Programm aus schlafen, essen, surfen, essen, surfen, essen, trinken, schlafen und der Samstag-Morgen machte mir den Abschied richtig schwer; Sonnenaufgang, klares Wasser, 3 Leute draussen, leichte Offshore-Brise und wunderschoene Kopfhohe Wellen.

8 Stunden dauerte die Heimreise und jetzt bin ich schon wieder seit 4 Wochen in der Schule.

PS: Es gibt jetzt auch schon eine Panama-Exit-Strategie: Ich will vom Ende meines Zivildienstes (26. Jaenner) bis Anfang Mai von hier bis nach Mexiko-City Reisen. Mit Surfbrett und Bus durch Costa Rica, Nicaragua, vielleicht El Salvador, Guatemala und den Sueden Mexikos.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Mensch Niko,
schreib doch mal wieder was!
oder bist du schon zuhause?
Ich mag deine Panama-Stories, lass deine Fans nicht im Stich ;-)

Gruss
eine Fremdleserin