Die ganze Wahrheit
Mittwoch, 13. August 2008
Bericht Monat 4,5 und 6
Oder: Von Transformationen, Infektionen, Depressionen und dem froehlichen Wechselspiel der Gezeiten.
Es liegt nicht nur an meiner Angst vor einem neuen Bericht, dass es diesmal so lange gedauert hat. Jedesmal wenn ich etwas schreiben wollte ist irgendetwas passiert oder hat sich veraendert und ohne zu wissen, was das fuer die naechste Zeit bedeutet, war es nicht wirklich sinnvoll, zu berichten, da es dann nur zu Spekulationen (herrliches Wort), die sich eh nicht bewarheiten wuerden, gekommen waere.
Jetzt hat sich das Wasser wieder geglaettet und ich weiss schon etwas genauer was das fuer mich heisst.
Eine sehr kryptische Einleitung, die hier und jetzt erlaeutert wird:
Mann muss die letzten 3 Monate in drei Teile teilen (nein nicht in Monat 1, 2&3), um nicht den Ueberblick zu verlieren.
Demnach werde ich von der vorgeburtstaglichen Zeit, der geburtstaglichen Zeit und der nachgeburtstaglichen Zeit reden.
Die vorgeburtstagliche Zeit:
Im Grossen und Ganzen ist das, was von Mai (meinem 4. Monat) bleibt, die furchtbare Erinnerung an einen noch furchtbareren Geruch.
Wenn in Oesterreich der Westwind weht, freut sich mein Windsurferherz, doch wenn das hier der Fall ist, ist leiden angesagt, ca. 20 km westlich der Schule befindet sich ein Hafen und 5 km noerdlich vom Hafen ist La Chorrera, ein Provinzstaedtchen, mit einer grossen Fischverarbeitungsfabrik. Wenn sich also eine Westwindwetterlage einstellt, kann es passieren, dass man eine Woche lang im puren Fischgestank lebt.
Und man lebt ja nicht nur, sondern isst, trinkt, schlaeft und vor allem unterrichtet.
Mich als echten Nasenmann hat das schwer getroffen und ohne viel Fantasie kann man sich die generelle Situation und Konzentration in den Klassen bei dem Gestank vorstellen.
Ein anderes Ereignis waren die ersten Examen die es zu bestreiten galt. Und wieder war die Tatsache, jetzt auf einmal selbst der Pruefer/Lehrer zu sein recht komisch – leider nur kurz, denn kleine Kinder die nicht viel Englisch sprechen zu benoten macht eher weniger Spass (genasowenig wie deren dauermaulende Eltern)
Sonst waren vor allem grosse Marienfeste im Vordergrund die ich aber nur hinter den Reglern des Mischpults verbracht habe.
Zum surfen bin ich auch ein bisschen gekommen, doch die Maiwellen waren eher mager.
Jetzt wirds aber Zeit das Geheimnis meines Geburtstages zu lueften und deswegen:
Geburtstagliche Zeit:
Knall. Dienstag Abend, 10.6.2008
Die Direktorin Sor Magdalena bat mich um ein Gespraech.
Es ging darum, dass ich nach dieser Woche keine Klassen mehr unterrichte sondern nur noch als Assistenz im Computerraum gebraucht werde. Bum. So schnell gehts. Ohne Vorwarnung und ohne viele Gruende zu hoeren ist meine Hauptaufgabe vorbei. Auch wenn es oft sehr anstrengend war und viel Kraft gekostet hat, war es doch das, wofuer ich da war und wo ich alle Energie freiwillig und gerne hineingesteckt habe.
Man kann sich denken, dass ich die Tage danach nicht gerade froehlich war, sondern eher traurig, wuetend, ratloc und stark mit dem Gedanken beschaeftigt, alles hinzuwerfen und heimzufliegen.
Hier verlassen wir jetzt fuer eine Woche die Oberwelt und begeben uns in das aberglaeubische, schwarzmagische;
Juni 13, Freitag; Geburtstag.
Es fehlt mir etwas an Geburtstagsstimmung nach dieser Woche.
Nachdem um 6 Uhr der Wecker leutet muss ich kurz Husten.
Alles was danach geschieht, kenn jeder, der schon mal eine Gerippe gehabt hat, selber, vielleicht mit der Ausnahme einer Exkursion nach Panama-City und der Zwangsbeglueckung mit von Mister Mc Donald selbst fritiertem Huehnerfleisch.
Das Fieber steigt und steigt den ganzen Tag und bleibt am Abend bei ca. 40º stehen.
Am naechsten Tag geht es aehnlich weiter, nur dass das Thermometer zwischen 40,5 und 40,9 schwankt.
Dann ein zweistuendiges Schlaefchen am Nachmittag. Nach dem Erwachen, muss ich mir dringend aus der Schwesternkueche neues Wasser holen. Dort angekommen wird mir an die Stirn gegriffen und, wer sagts denn – viel kuehler.
Was in den den naechsten 5 Minuten geschieht, kann ich nur mit „rot“ beschreiben.
Ich weiss zwar ungefaehr was passiert ist, die Bilder davon fehlen aber in meinem Gedaechtnis.
Das Fieber ist naemlich auf einen heftigen Sprung zurueckgekommen und hat mein Bewusstsein etwas getruebt.
Als naechstes befinde ich mich in der Dusche und kaltes Wasser rinnt duch mein Gesicht.
Der Arzt meinte Spaeter, es sei eine schwere Grippe, doch als nach 2 Tagen das kuenstlich-gesenkte Fieber zurueckkam und wir einen Bluttest machten, wurde klar, dass es sich um Dengue handelt, eine durch Muecken uebertragenes Tropenfieber.
Eine Woche musste ich aussetzen doch 2 Wochen spaeter konnte ich schon wieder surfen gehen und damit die geburtstagliche Zeit abschliessen.
Nachgeburtstagliche Zeit:
Das Fieber hatte sich gelegt, die Wut war geschmolzen, aber alles war noch nicht gelosest.
Immerhin war ich ja nicht boese, weil man mir eine andere Aufgabe zugewiesen hatte, sondern weil die Art und Weise, in der das geschehen war, sich wie ein Schlag auf den Kopf angefuehlt hatte.
Weder bekam ich in der Zeit davor jemals konstruktivese Kritik / Feedback, noch wurde ich im Vorfeld ueber die Moeglichkeit dieses Wechsels informiert. Alles von einem Moment auf den Anderen. Komunitkation = 0.
Na gut, wie gsagt, die Wunde war schon schoen verkrustet und was zur Heilung noch fehlte war ein ausfuerliches Gespraech mit der Direktorin, dass dann auch letzte Woche stattfand.
Im Endeffekt war das Problem, dass ein paar Eltern sich zum zweiten Mal beim Ministerium ueber mich beschwert haben und auch dass mir die schwestern das ewige geplaenkel mit diversen Muettern und Vaetern ersparen wollten. Warum ich aber nich informiert wurde, weiss ich nicht.
Ist jetzt aber nicht mehr so wichig, denn seit heute hab ich Ferien und nach dem Bericht werde ich gen Strand aufbrechen und surfen, essen, trinken, schlafen,surfen.
2 Wochen – dann gibts hoffentlich mal wieder schoene Geschichten und Bilder.
Alles Liebe.
Niko
Ps: um nochmal zu Schwarzmagie zurueckzukehren: Gestern haben alle Lehrer zusammen alle Geburtstage seit Jaenner gefeiert. Und was ist jetzt – ich bin krank. Ist zwar nur eine Verkuehlung ohne Fieber aber gestern war ja auch nicht der dreizehnte.
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